Sehr geehrte Damen und Herren, Zunächst möchte ich die Damen am Empfang erwähnen, die sehr freundlich und respektvoll waren. Trotz meiner Aufregung haben sie mir direkt ein Gefühl von Ruhe vermittelt, was ich als sehr positiv empfunden habe. Nach kurzer Wartezeit begann das Gespräch mit dem Psychologen. Mein erster Eindruck war ehrlich gesagt schwierig. Der Gesprächston wirkte auf mich anfangs sehr kühl und kritisch. Besonders die überrollten Augen bei manchen Nachfragen und die kritische Art der Gesprächsführung haben mich bereits in den ersten Minuten stark verunsichert. Teilweise kam schon die nächste Frage, obwohl ich meine vorherige Antwort noch gar nicht vollständig erklären konnte. Trotz Vorbereitung hatte ich das Gefühl, vieles nicht so ausdrücken zu können, wie ich es eigentlich meinte. Das lag sicherlich an mir selbst. Wenn mir ein Mensch nicht vertrauenswürdig oder sympathisch erscheint, werde ich automatisch zurückhaltender, kontrollierter und verschlossener. Das ist ein innerer Schutzmechanismus von mir – auch wenn genau das bei einer MPU vermutlich eher negativ wirkt. Ich wusste für mich selbst bereits seit Monaten, dass ich Alkohol und Fahren komplett voneinander getrennt habe. Die eigentliche Herausforderung bestand für mich darin, dies einer fremden Person glaubwürdig zu vermitteln, die mich zum ersten Mal sieht und innerhalb kurzer Zeit über meine Zukunft mitentscheidet. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen: Erst zu Hause habe ich verstanden, dass genau darin die Aufgabe eines MPU-Psychologen besteht. Er ist nicht dafür da, einen emotional aufzufangen oder Verständnis zu zeigen wie ein Vorbereitungstherapeut. Er bewertet Fakten, Verhalten, Verantwortung und Risiken. Rückblickend habe ich großen Respekt vor dieser Arbeit entwickelt. Deshalb möchte ich meine anfänglich negativen Gedanken relativieren. Er wusste genau, was er tat – und ich kann jedem nur empfehlen, sich besser vorzubereiten, als ich es getan habe. Das Gespräch mit dem Arzt empfand ich anschließend deutlich angenehmer. Dort konnte ich wieder ruhiger werden und besser erklären, was ich eigentlich sagen wollte. Der Arzt wirkte auf mich neutral, ruhig und aufmerksam, was mir persönlich sehr geholfen hat. Zum Konzentrationstest muss ich ehrlich sagen: Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet. Erst drei Tage vor der MPU erfuhr ich, dass es solche Tests überhaupt gibt. Plötzlich musste man Knöpfe drücken, Pedale bedienen und gleichzeitig aufmerksam bleiben 😁 Besonders bei der Aufgabe mit fünf Knöpfen und zwei Pedalen fühlte ich mich wie ein unerfahrener Artist im Zirkus. Im Nachhinein kann ich darüber wirklich lachen. Das Ergebnis meiner MPU war negativ. Laut Gutachten wirkte ich nicht ausreichend glaubwürdig in meiner Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol und Fahren, und es wurde ein mögliches Rückfallrisiko gesehen. Natürlich war das zunächst schwer zu akzeptieren – besonders nach 16 Monaten ohne Alkohol. Trotzdem muss ich heute ehrlich sagen: Früher habe ich Alkoholkonsum tatsächlich unterschätzt. Ich dachte lange Zeit, ich hätte kein Problem, weil andere Menschen deutlich mehr trinken als ich. Aber genau darin lag der Fehler. Das eigentliche Problem war nicht die Menge allein, sondern die Tatsache, dass ich in einem Zustand starker Alkoholisierung überhaupt auf die Idee kam, noch zu fahren. In so einem Moment verliert man die Kontrolle über vernünftige Entscheidungen – und genau das ist das eigentliche Problem. Kritisch anmerken möchte ich jedoch, dass einige Aussagen im Gutachten aus meiner Sicht nicht korrekt oder missverständlich wiedergegeben wurden. Teilweise entstand dadurch der Eindruck eines regelmäßigen Konsums in meiner Jugend, obwohl ich etwas anderes gemeint hatte. Außerdem wurde ich mehrfach als „Herr“ bezeichnet – was natürlich passieren kann, aber bei einem so wichtigen Gutachten eigentlich nicht vorkommen sollte. Trotz meines negativen Ergebnisses würde ich die MPU-Stelle in Aschaffenburg insgesamt weiterempfehlen. Die Erfahrung war für mich am Ende lehrreicher, als ich zunächst gedacht hatte.
